Im Frühjahr hatte ich kurz über meinen neuen Aldi Sprachcomputer geschrieben. Inzwischen habe ich damit eine ganze Menge rumexperimentiert und kann meine Erfahrungen hier mitteilen.

Das Ganze funktioniert ziemlich gut, solange man noch die Möglichkeit einen Mausknopf zu bedienen. Im Gegensatz zu Windows gibt es nämlich kein Programm, das automatisch einen Mausklick auslöst (wie z.B. Point ‘n‘ Click) das muss man noch komplett selbst übernehmen. Da es um meine Handkraft auch nicht mehr so rosig bestellt ist; ich kann die Hand zwar schließen, aber nicht mehr selbständig öffnen; musste ich mir was besonderes einfallen lassen. Die Lösung ist der Grillzangenmousebutton, durch die Federkraft der Grillzange werden meine Finger wieder auseinander gedrückt. Das ganze wird an meine Kopfmaus angeschlossen und funktioniert prima.


Das Software-Angebot für die Android-Plattform ist bekanntermaßen riesig, es gibt mein Lieblingsschreibprogramm Dasher, haufenweise Spiele und auch günstige Sprachausgabe-Software. Eine Beispielaufnahme gibt es hier: Stimme
Aber der große Clou ist die Spielemöglichkeit die es noch gibt, aber seht selbst:
Es sieht tatsächlich so aus, als ob mein neuer Pflegedienst das schaffen sollte, was der alte ein Jahr lang nur versprochen hat: nämlich ein festes Team von 4-5 Pflegekräften aufzustellen. Der Dienstplan für September sieht schon mal ganz gut aus.
Damit zeigt sich aber auch mal wieder, dass Größe und Marktmacht nicht alles ist, ich bin jetzt bei einem kleineren Dienst und offenbar bekommen die das Personalproblem besser in den Griff; vielleicht zahlen sie ihren Leuten aber auch mehr als 9,50 Euro pro Stunde. Mir kann es egal sein, hauptsache es funktioniert!
Ich gebe zu, dass ich in letzter Zeit meinen Blog etwas vernachlässigt habe. Da sich jetzt jedoch in letzter Zeit die besorgten Nachfragen häufen, wegen meines Gesundheitszustandes und warum ich nichts mehr schreibe, hier nun ein Lebenszeichen von mir.
Es hat sich viel getan in den letzten Monaten; erst hat mich mal wieder eine langwierige Lungenentzündung niedergestreckt. Der Erreger war ziemlich exotisch und deswegen hat die Bekämpfung auch etwas länger gedauert. Als Folge davon habe ich dann noch eine Lungenembolie bekommen in Kombination mit einer Sickerblutung im rechten Lungenflügel. Das ist dann ganz toll, auf der einen Seite bekommt man dann Blutverdünner, um die Embolie aufzulösen, auf der anderen Seite muss die Blutung zum Stillstand gebracht werden. Aber auch das habe ich irgendwie überstanden und man kann es kaum glauben, ich habe nur einen halben Tag im Krankenhaus verbracht. Da ich ja zu Hause eine 1:1 Betreuung habe, was noch nichteinmal auf der Intensivstation gewährleistet ist, wurde meinem Wunsch entsprochen und ich nach Hause entlassen. Das Ganze ist gut abgeheilt, jetzt bekomme ich nur noch zweimal täglich eine Spritze in meinen kaum vorhandenen Bauchspeck.
Das zweite große Ereignis während der letzten Monate war die Kündigung meines Pflegedienstes, angeblich, weil sie die Versorgung nicht mehr sicherstellen konnten. Ich habe aber eher die Vermutung, dass sich ein gewisser Herr etwas auf den Schlips getreten fühlte, weil wir es tatsächlich gewagt haben uns über die katastrophale Personalsituation zu beschweren. Egal, was auch der Grund war, mit dem neuen Pflegedienst ist es zwar nicht besser, aber auch nicht schlimmer geworden.
Das war es erstmal in aller Kürze. Und ich verspreche, dass ich mich bemühen werde zukünftig wieder mehr zu schreiben.
Neulich im Wohnzimmer: “So, ich hänge Ihnen jetzt das Getränk an”
Kopfschütteln
“Warum nicht?”
Augenbrauenhochziehen
“Wollen Sie nichts trinken?” (1)
Kopfschütteln
“Also wollen Sie was trinken?” (2)
Zustimmung
“Dann hänge ich das jetzt dran!”
Kopfschütteln
“Also wollen Sie doch nichts trinken?” (3)
Kopfschütteln
“Das ist Kaffee mit dem Resource, wie Sie es wollten. Soll ich das jetzt wegschütten?”
Kopfschütteln
“Also wollen Sie das jetzt trinken?” (4)
Zustimmung
“Dann hänge ich das jetzt dran!”
Kopfschütteln
“Ja was jetzt? Ist das zu warm?”
Kopfschütteln
“Aber Sie wollen das trinken?” (5)
Zustimmung
“Was stimmt denn dann nicht?”
Augenbrauenhochziehen, Kopfbewegung Richtung Schlauch
“Ja, die Flasche meine ich, da ist Kaffee drin!”
Ach!
“Also wollen Sie den jetzt trinken?” (6)
Zustimmung
“Dann hänge ich den jetzt dran.”
Kopfschütteln
“Also jetzt weiß ich nicht weiter.”
Eine ganz leicht genervte Stimme vom Sofa: “Schauen Sie sich doch mal das System an, das ist nicht entlüftet. Soll die ganze Luft in den Bauch?”
“Ach so, ja.”
Kopfschütteln und Augenrollen
[......]
Willst Du auch lustige Geschichten über Dich lesen, dann bewirb Dich bei mir als Pflegekraft in Voll- oder Teilzeit. Mein Team braucht noch Verstärkung (Kein Scherz!)
Letzte Woche gab es beim Aldi ein Android-Tablet von Medion. Da ich vor geraumer Zeit schon einmal mit einem Billig-Tablet aus China relativ erfolgreich experimentiert hatte, schickte ich kurzerhand Sandra los mir so ein Medion-Teil zu besorgen. Da ich momentan noch auf meine vernünftige Rollstuhlhalterung warte, habe ich alles mögliche nur mal kurz angetestet und was soll ich sagen? Ich bin begeistert! Im Gegensatz zu den Tatsch-Kollegen mit dem Apfel, bieten die Android-Geräte meist eine vollwertige USB-Schnittstelle, die sogar vom Betriebssystem unterstützt wird. Also meine USB-HeadMouse Extreme angeschlossen und läuft. Schon im Installationsmenü erscheint einfach so ein Mauspfeil, der zwar noch etwas lahm ist, aber mit dem man problemlos alles steuern kann. Nach kurzem suchen finde ich dann auch den Menüpunkt, wo man die Mausgeschwindigkeit verstellen kann und ab da ist es wie am PC.
Für mich ist die große Welt der Streichelcomputer auch noch weitgehendes Neuland, aber Julian erklärt mir immer, wie das an Mamas Ipad funktioniert, so dass ich mich nach kurzer Zeit eingewöhnt habe. Es gibt mein Lieblingsschreibprogramm Dasher, von Ivona gibt es ein Sprachprogramm, leider zur Zeit nur mit weiblichen Stimmen, und auch sonst gibt es haufenweise nützliche und überflüssige Apps.
Viel habe ich zwar noch nicht gemacht, aber ich kann jetzt schon sagen, dass ich meinen alten Windows XP Sprachcomputer nicht wirklich vermissen werde. Der neue ist keiner, leichter, leiser, sparsamer und natürlich viel stylischer. Sobald ich die Halterung habe gibt es mehr dazu und natürlich auch Fotos.
Julian ließ gestern mal wieder seine Schildkröte Kokosnuss auf meinem Arm spazieren gehen.
Die Kröte genoss sichtlich ihre Freiheit und inspizierte ausgiebig meinen Arm. In einem kleinen Moment der Unaufmerksamkeit passierte dann das, was passieren musste.
Naja, vielleicht hätten wir es auch verhindern können, aber auf jeden Fall sind wir jetzt um zwei Erkenntnisse reicher:
Schildkrötenpipi ist kalt und hilft, zumindest äußerlich angewendet, nicht gegen ALS.
Inzwischen ist es, man mag es kaum glauben, schon zwei Jahre her, dass ich mit dieser Website gestartet bin. Damals habe ich noch vollmundig einen Videoblog angekündigt und mir extra eine kleine Videokamera mit Rollstuhlhalterung angeschaft. Doch leider hat mich die Realität schneller eingeholt, als es mir lieb war. Die Kamera zu bedienen wurde immer schwieriger und ist seit über einem Jahr überhaupt nicht mehr möglich. So kam es dann, dass ich nur noch verbal meinen Alltag beschreiben kann. Seit dann im letzten Jahr ziemlich überraschend die Trachealkaüle in mein Leben trat, kann man den Eindruck bekommen, dass sich der Videoblog mehr und mehr zu einem Pflegehasser-Blog verwandelt. Dieser Eindruck mag sicherlich stimmen, wofür es aber auch zwei gute Gründe gibt. Zum einen bin ich seit der TK-Einlage komplett 24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche auf Pflegekräfte angewiesen, ich bin also nie allein, habe keine Privatsphäre mehr, mit anderen Worten, die Pflege ist mein Alltag geworden.
Was mich dann zu Punkt zwei führt. Ich bin erstaunt und zugleich entsetzt, wie weit Spreu und Weizen bei den Pflegekräften auseinander liegen. Da gibt es die einen, die sich buchstäblich den Arsch aufreissen, um einen guten Job zu machen. Diese Leute schaffen es wirklich gute Arbeit zu leisten, mir das Leben und den Alltag ein wenig einfacher zu gestalten. Das Problem ist nur, je besser die Arbeit ist, um so weniger kann ich darüber schreiben. Wer will schon lesen, dass Pflegerin XY mich mal wieder hervorragend geduscht hat? Die Tagesschau würde sich doch auch niemand ansehen, wenn die sagen würden “Heute ist mal nichts passiert.”
Aber zum Glück gibt es ja Kolleginnen wie Gisbert Geier, die selbstgefällig und arrogant auftreten, meinen alles zu wissen, über jede Kritik erhaben sind und anfangen zu heulen, wenn sie komischerweise keiner lieb hat. Über solche Leute schreibe ich natürlich gerne und die vielen positiven Zuschriften bestätigen leider, dass es nicht nur bei mir so ist. Und ich schreibe noch nicht mal einen Bruchteil dessen, was sich hier an manchen Tagen ereignet, wir sind schon von Pflegekräften beschimpft und bedroht worden, es gab Personen die, wenn sie überhaupt zum Dienst erschienen sind entweder betrunken, oder sonstwie berauscht waren, dann war da noch einer, der am Tag vor seinem ersten Dienst per SMS gekündigt hat. Dass mir die Trachealkaüle öfters versehentlich zugehalten wird, daran habe ich mich schon gewöhnt, aber dass dies absichtlich geschieht war auch für mich eine neue Erfahrung.
Ich könnte die Liste noch beliebig erweitern, aber das mache ich lieber, wenn mal wieder aktuell was passiert und das wird es, da könnt Ihr Euch drauf verlassen…..
Jetzt ist das passiert, was nicht passieren sollte. Ich war mit einer Pflegekraft alleine zu Hause, sie geht raus zur Rauchen und….. vergisst den Schlüssel. Tja, da sitze ich nun hinter einer einbruchhemmenden Haustür mit ziemlich sicherem Sicherheitsschloss, die Fenster 3fach verglast mit Pilzzapfenverriegelung und fühle mich plötzlich ziemlich alleine.
Der erste Gedanke ist Ach du Sch….. PANIK. Natürlich hatte sie auch ihr Handy nicht dabei. Also erstmal cool bleiben. Zum Computer gefahren und Notruf-SMS an Sandra geschickt. Die Pflegerin hat sich inzwischen Stift und Zettel von den Nachbarn besorgt, dann durch die Fenster verschiedene Telefonnummern gestikuliert und von den Nachbarn telefoniert. Nach 35 Minuten war Schwiegermama mit dem Schlüssel da. In der Zeit habe ich aber Blut und Wasser geschwitzt, dass ich nicht abgesaugt werden muss.
Aber es ist nochmal gut gegangen.






Letzte Kommentare